Flatrate für alle?

// 20042008 / Allgemein / Noch keine Kommentare

Flatrates werden vor allem gerne im Bereich der Telefonie oder im Datenverkehr (sog. "Traffic") angeboten und sind derzeit der Trend bei vielen Angeboten. Die Anbieter (sog. Provider) verpacken das Paket zum Fertigpreis als Flatrate anstatt die Kosten aufzulisten und für den Kunden transparent zu machen. Relativ hohe Grundkosten erlauben es unbegrenzte Leistung in Anspruch zu nehmen - so heißt es jedenfalls. Wirtschaftlich gesehen sind Flatrates für den Anbieter eine riskante Angelegenheit, psychologisch jedoch eine gute Taktik, denn rein theoretisch spart der Kunde jede Menge im Gegensatz zum Einzelpreis - denkt er jedenfalls.

Milchmädchenrechnung

Ein Unternehmen bietet Flatrates nicht an, weil es sich der Wohlfahrt angeschlossen hat, sondern, weil es wirtschaftliches Potential darin sieht. Aber wenn man sich überlegt, dass der Kunde doch scheinbar günstiger wegkommt, kann das doch gar nicht sein...?

Die Anbieter müssen zunächst jede Menge Nutzerdaten statistisch auswerten und anschließend gut durchkalkulieren um eine Basis für das Flatrate-Angebote zu erhalten. Doch diese Basis für die Kalkulation ist hochdynamisch, denn das Nutzerverhalten kann sich sehr schnell ändern - wie die Aktien an der Börse sind die Benutzer mal mehr oder weniger aktiv und auch wenn der langfristige Trend in eine bestimmte Richtung zeigt, so besteht zu keiner Zeit eine verbindliche Aussage für das zukünftige Nutzerverhalten.

Warum gibt es keine Tankflatrates?

Oftmals nimmt der Kunde nämlich gar nicht mehr Leistung in Anspruch, nur weil er eine Flatrate hat. Ein weiterer Vergleich: Die imaginäre Tank-Flatrate verspricht für 500 Euro jeden Monat unbegrenzt tanken. Da die meisten Autofahrer wissen, was Sie im Monat an Sprit verbrauchen, können sie sehr überlegt gegenrechnen und entscheiden, ob sich diese Flatrate nun für sie lohnt oder nicht. Von daher gibt es im realen Leben auch keine mir bekannte Tank-Flatrate (falls doch, bitte um PM!), da der Markt hier vielzu transparent ist und einfach kein Potential bietet, um die Verbraucher an der Nase herumzuführen.

Der Provider zieht die Notbremse: Kündigung!

Zurück zum klassischen Provider: Im Ernstfall wird der Kunde einfach gekündigt oder es werden Verwarnungen ausgesprochen, wie vor Kurzem bereits wieder geschehen:

Siehe z.B. Congstar kündigt Flatrate-Kunden, Arcor droht Vieltelefonierern mit Kündigung von Auslands-Flatrate oder E-Plus bestätigt Kündigungen für Flatrate-Kunden.

Telemedicus.info hat hierzu übrigens ebenfalls einen kleinen Artikel in Bezug auf Quellen aus der FAZ und golem.de veröffentlicht.

Gegen eine Kündigung seitens des Unternehmens spricht rechtlich gesehen prinzipiell natürlich nichts - denn warum sollte nicht auch das Unternehmen den Vertrag mit dem Kunden kündigen können? Wenn der Kunde nicht zahlt oder - z.B. beim Webhosting - Spam-E-Mails versendet oder anzügliche erotische bzw. rechtsradikale Inhalte bereitstellt, möchte man als Unternehmen den betreffenden Kunden nicht wirklich auf dem eigenen Server haben. Zumal oft genug der Provider und nicht der Kunde rechtlich für das Vergehen des Kunden gerade stehen muss - aber anderes Thema.

Bei der Kündigung auf Grund der Flatrate ist es jedoch so, dass das Untenehmen den Vertrag nicht kündigt, weil sich der Kunde daneben benimmt, sondern weil er die Leistungen, mit denen das Unternehmen wirbt, wirklich in Anspruch nimmt - wie kann der Kunde es wagen...! Auch wenn das betreffende Unternehmen möglicherweise andere Gründe aufführt, damit die Fehlkalkulation es nicht zu offensichtlich ist. Wenn das Untenehmen mit einer Flatrate wirbt und den Wettbewerb verzerrt, dann soll es bitteschön auch damit rechnen, dass der Kunde 24h Nonstop telefoniert oder jeden Tag 1000 GB Traffic verursacht (wie auch immer).

Und die Moral aus der Geschicht: Echte Flatrate gibt es nicht

Es gibt doch durchaus Kunden (v. a. im geschäftlichen Bereich), die z.B. 100 GB Traffic im Monat in Anspruch nehmen möchten und dann guten Gewissens eine Traffic-Flat abonnieren (ist ja billiger, als jedes einzelne der 100 Gigabytes zu bezahlen). Doch hier müsste normalerweise auch die eigene Intelligenz eingreifen, denn jeder der sich ein wenig umschaut und die Preise analysiert, kann sich selbst ausrechnen, dass Leistung ganz einfach kostet. Für den Preis einer Currywurst bekomme ich schließlich auch kein 5-Sterne-Buffet, allenfalls eine Ketchup- und Senf-Flatrate.

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Cartoon 'Kommentararmut' von iqatrophie.wordpress.comBild von IQ-Athrophie

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